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2002September17
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FTD-Wahlempfehlung: journalistisches Desaster

"Über 1300 Leserbriefe, Faxe und Mails erhielt die Financial Times Deutschland nach ihrer Wahlempfehlung für die Union. Die meisten ärgerten sich über den Tabubruch der rosaroten Wirtschaftszeitung. Doch auf der Leserbrief-Seite der FTD kamen die Kritiker kaum zu Wort. Die Auswahl steht im krassen Gegensatz zum Tenor der Zuschriften. 'Über 90 Prozent der Leser haben sich über die Aktion beklagt', sagt ein FTD-Redakteur. Die Auswahl der Leserbriefe auf der Sonderseite grenze an Manipulation.

'Dass sie dem Leser die Kompetenz absprechen, sich aus all den Ausführungen eine eigene Meinung zu bilden, finde ich erschreckend', lautet eine der wenigen kritischen Bemerkungen, die die FTS zugelassen hat. Ein Leser bittet die FTD, den Leser mit subjektiven, emotionalen Äußerungen zu verschonen: 'Wenn Sie meinen, in verkürzter Art und Weise die gesamte deutsche Politik darstellen zu können, dann überschätzen sie sich gewaltig.'

Die Chefredaktion der FTD hatte der Redaktion zwar von vornherein klargemacht, dass der Wahlempfehlung kein basisdemokratisches Verfahren vorausgehen würde. Die Wahlempfehlung zugunsten der Union hatte in der Redaktion dennoch großen Unmut ausgelöst: 'Bei einer Abstimmung in der Redaktion hätte die Union nach der PDS das schlechteste Ergebnis erzielt', sagte ein Redakteur gegenüber SPIEGEL ONLINE."

SPIEGEL Online Artikel

Entry first published 2009-05-18 00:59, last edited 2009-05-18 00:59
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