Weil Wahlkampf war

Lieber Gott mach mich taub, dass ich nicht dem Westen glaub.
Lieber Gott mach mich stumm, dass ich nicht nach Bautzen kumm.
Lieber Gott mach mich blind, dass ich nicht nach Ungarn find.
Bist du taub stumm und blind, bist du Honnis liebstes Kind.
Anlass für die Regierung Kohl, sich für die Einheit stark zu machen, "waren nicht die Prozesse in der DDR, sondern die schlechten Umfragedaten", so Ex-Kanzlerberater Horst Teltschik. "Oskar Lafontaine, damals sozialdemokratischer Kandidat, machte Kanzler Helmut Kohl schwer zu schaffen. In allen Umfragen lag er monatelang haushoch vorne. Dann kam der Mauerfall und Kohl wirkte immer noch paralysiert. Die konservativ-liberale Koalition schien ihrem letzten Winter entgegen zu gehen." Weil Wahlkampf war, musste also ein Knüller her: "Am Abend des 23. November 1989 wurde am Tisch des Kanzleramtes der 10-Punkte-Plan Kohls für eine 'Konföderation' beider deutscher Staaten geboren - mit dem der Kanzler fünf Tage später im Bundestag Freund und Feind überraschte und die verloren gegangene Hoheit im politischen Tagesgeschäft wiedergewann." Teltschik: "Na gut, am Ende hatten wir zehn Punkte [Vorsprung] und das war ja auch kommunikativ nicht ganz schlecht."
Entry first published 2009-05-18 00:59, last edited 2011-01-08 11:48
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