Sprengtourismus
Da ich immer mal wieder danach gefragt werde, wie man am Besten Sprengungen fotografiert, weiter im A bis Z der Photograhie: S wie Sprengtourismus.
- Früh da sein - Je eher man vor Ort ist, desto mehr Zeit hat man, einen geeigneten Standort zu finden und desto weniger stören aufmerksame Hilfskräfte. Vorherige Erkundung auch von Ausweichpunkten ist sehr hilfreich, um je nach Lage am Sprengtag schnell umdisponieren zu können.
- Früh aufgebaut haben um bei etwaigen Vorverlegungen des Sprengzeitpunkts gewappnet zu sein. Eine Stunde vor dem offiziellen Termin bereit zu sein ist kein Fehler. Ist man beim ersten Signal (ein langer Ton, "Deckung") nicht fertig, wird es knapp.
- Früh auslösen - Spätestens mit dem zweiten Ton des zweiten Signals (zwei kurze Töne, "Zündung") auslösen - wartet man auf den Knall, ist alles schon vorbei: Gebäude üblicher Größe sind meist nach zwei bis vier Sekunden unten. Oft reicht der Abstand zum Objekt dank der geringen Schallgeschwindigkeit aus, um einen Zündung und die ersten Winkelgrade des Falls in Stille erleben zu lassen.
- Autofokus aus damit die Kamera nicht auf etwas fokussieren will, das plötzlich nicht mehr da ist und unnötig Zeit zwischen den Serienauslösungen verschwendet.
- Serienbildauslösung auf schnellste Stufe schalten und die Belichtungszeit kurz halten. Fotografiert man mit einer analogen Spiegelreflexkamera mit Motor, ist man auf der sicheren Seite: übliche Kameras können zwischen ca. 2 und 5 Bilder pro Sekunde transportieren, schickt man einen 36er-Film hindurch, hat man den gesamten Bewegungsablauf in der Tasche. Bei Digitalkameras setzt der Zwischenspeicher oft Grenzen: bei vielen Modellen ist nach 8 Bildern in voller Auflösung erstmal Schluss - das Herabsetzen der Auflösung hilft oft entscheidend weiter. Daran denken, daß Interessantes oft erst passiert, wenn der Fall fast schon abgeschlossen ist: Stahlbetonkamine und -gebäude z.B. fallen strukturell unbeschädigt und zerbersten erst beim Aufprall, so daß eine Bildserie hier länger dauert, möchte man die Staubwolke auch mitnehmen. Gemauerte Kamine zerlegen sich oft schon während des Falls, so daß man mit knapper bemessenen Serienbildfunktionen klarkommen könnte. Vor Beginn der Sprengung ruhig ein letztes Vergleichsfoto schießen.
- Der Bildausschnitt ist weitgehend Geschmackssache. Ein Objekt kippt, wenn es denn kippt, so gut wie immer in die vorgesehene Richtung. Etwas Luft zu lassen ist dennoch kein Fehler - Ausschnitte kann man später noch ziehen. Fehlgeschlagene Sprengversuche sind insbesondere bei sehr wuchtigen Bergbau-Tagesanlagen und Stahlkonstruktionen wie z.B. Fördergerüsten, zu denen sich keine oder nur unvollständige Zeichnungen auffinden lassen, keine Seltenheit - ganz zur Unbill des Sprengmeisters, der es dann meist plötzlich mit einem statisch unbestimmten Gebilde zu tun hat.
- Termine herauszufinden ist oft Glückssache und eine Frage der Mundpropaganda, sieht man von Sprengungen von Landmarken mit den dann einhergehenden Menschenaufläufen ab.
IN DIESEM BLOG
Das A bis Z der Photographie: S wie Sprengwut
Das A bis Z der Photographie: Index
IM INTERNET
Unfallverhütungsvorschrift BGV C 24: Sprengarbeiten
Entry first published 2009-05-18 01:00, last edited 2009-05-18 01:00
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