»In dieser Gesellschaft brodelt es«
Oskar Negt über „die Risse in der Sozialordnung, die Notwendigkeit politischer Bildung und die Spannung zwischen Wirklichkeit und Utopie“:
Der Tod der Utopien, der nach 1990 so lauthals gefeiert wurde, hat dazu geführt, dass wir es in Politik und Wirtschaft mit sogenannten Realisten, Tatsachenmenschen zu tun haben, die nur noch darauf verweisen, was nicht geht, so dass die Potentiale, die in der Gesellschaft stecken, nicht zur Entfaltung kommen. [...] Die gegenwärtig vorherrschende Form des falschen, verdrehten Bewusstseins, das, was ich die Ideologie betriebswirtschaftlicher Rationalisierung mit ihrer Umverteilung nach oben und dem Sparzwang nach unten nenne, läuft den traditionellen Emanzipationsidealen von Aufklärung, Gerechtigkeit, Solidarität, Gleichheit zuwider. Dieser verkürzte, auf Anpassung an das Bestehende ausgerichtete Realitätssinn höhlt die politische Moral aus und gefährdet damit das Fundament unserer Demokratie.
Und:
Krisenzeiten sind nur dann Erkenntniszeiten, wenn sich kollektive Alternativen zum Bestehenden abzeichnen, ob die nun von Gewerkschaften, Parteien oder anderen Gruppierungen der Gesellschaft, etwa außerparlamentarischen Bewegungen, formuliert werden.
Das sagen sich hier in Dortmund übrigens auch die „Autonomen Nationalisten“, die europaweit Nazis zum „Nationalen Antikriegstag“ am 5. September mobilisieren. Danach gibt es im Fernsehen wieder unseren Polizeipräsidenten zu sehen, der sagt, daß Dortmund nun wirklich kein Problem mit Nazis habe, und Nazis, die sagen, daß Dortmund deshalb wirklich das ideale Hauptquartier für sie sei.
[Via Kantel]
Entry first published 2010-08-16 13:24, last edited 2011-01-03 18:26
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