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Die deutsche Studentenschaft verbrennt zur Stunde auf einem riesigen Scheiterhaufen anlässlich der Aktion des Kampfausschusses "Wider den undeutschen Geist" Schriften und Bücher der Unmoral und Zersetzung. [...] Gegen Dekadenz und moralischen Verfall, für Zucht und Sitte in Familie und Staat - ich übergebe dem Feuer die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Gläser, Erich Kästner. Gegen Frechheit und Anmaßung, für Achtung und Ehrfurcht vor dem unsterblichen deutschen Volksgeist - verschlinge, Flamme, auch die Schriften der Tucholsky und Ossietzky
Rundfunkreportage vom 10. Mai 1933
Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen
Heinrich Heine, Almansur, 1823

Zentral organisiert vom "Hauptamt für Presse und Propaganda der Deutschen Studentenschaft" wurden in der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 1933, heute vor 70 Jahren, in ganz Deutschland "undeutsches Schrifttum" öffentlich verbrannt, auf Scheiterhaufen angefacht von Universitätes-Rektoren, Professoren, Studenten und nationalsozialistischen Organen. Vorausgegangen war eine "Säuberung" öffentlicher und privater Bibliotheken durch SA, Polizei und mit Hilfe von Studenten, bei der auf "Schwarzen Listen" erfassten Werke beschlagnahmt wurden. Alleine in Berlin wurden am 10. Mai 20.000 Bücher verbrannt, insgesamt wurden bis Ende Mai 1933 rund 10.000 Zentner Literatur beschlagnahmt. Mehr als 3.000 Werke waren verboten, mehr als 250 Autoren flohen, es folgte ein Exodus deutscher Schrifsteller und Künstler in ungeahntem Ausmaß. Verbrennungen fanden in Berlin, Bonn, Braunschweig, Bremen, Breslau, Dortmund, Dresden, Erlangen, Frankfurt/Main, Göttingen, Greifswald, Hannover, Hannoversch-Münden, Kiel, Königsberg, Marburg, München, Münster, Nürnberg, Rostock, Worms, Würzburg und zahlreichen anderen Städten statt.
Sie bildeten einen ersten Höhepunkt der Verfolgung Andersdenkender, nichtmals vier Monate nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler. Es folgte ein Bildersturm: für die Münchener Ausstellung "Entartete Kunst" wurden 5000 Gemälde und Plastiken von über 100 Künstlern zusammengestohlen, im März 1939 1004 beschlagnahmte Gemälde und 3285 beschlagnahmte Aquarelle, Zeichnungen und Grafiken öffentlich in Berlin verbrannt. Musik wurde ab 1935 selektiv verboten, die Pressefreiheit bereits Tage nach Hitlers Ernennung zum Kanzler eingeschränkt.
AUTOREN AUF DER SCHWARZEN LISTE
Nathan Asch
Schalom Asch
Henri Barbusse
Richard Beer-Hofmann
Georg Bernhard *
Günther Birkenfeld
Bertolt Brecht
Max Brod (außer: Tycho Brahe)
Robert Carr (außer: Wildblühende Jugend)
Alfred Döblin (außer: Wallenstein)
Kasimir Edschmid
Ilja Ehrenburg
Albert Ehrenstein
Hermann Essig
Lion Feuchtwanger
Georg Fink
Friedrich Wilhelm Förster *
Sigmund Freud *
Rudolf Geist
Fjodor Gladkow
Ernst Glaeser *
Iwan Goll
Karl Grünberg
Jaroslav Hasek
Walter Hasenclever
Werner Hegemann *
Heinrich Heine *
Arthur Holitscher
Albert Hotopp
Heinrich Eduard Jacob
Erich Kästner (außer: Emil und die Detektive) *
Josef Kallinikow
Karl Kautsky *
Alfred Kerr *
Gina Klaus
Alfre Kerr
Kurt Kläber
Alexandra Kollantay
Michael Kusmin
Peter Lampel
Jurij Libedinsky
Wladimir Lidin
Heinz Liepmann
Jack London (nur: Zwangsjacke, Eiserne Ferse)
Emil Ludwig *
Heinrich Mann (außer: Flöten und Dolche) *
Klaus Mann
Karl Marx *
Robert Neumann
Iwan Olbracht
Carl von Ossietzky *
Ernst Ottwald
Kurt Pinthus
Erich Maria Remarque *
Ludwig Renn
Iwan A. Rodionow
Ludwig Rubiner
Rahel Sanzara
Alfred Schirokauer
Arthur Schnitzler
Karl Schroeder
Anna Seghers
Upton Sinclair (außer: Boston, Jimmy Hibbins, 100% Petroleum, Sumpf)
Hans Sochaczewer
Michael Sostschenko
Fjodor Ssologub
Adrienne Thomas (außer: Katrin wird Soldat)
Ernst Toller
Kurt Tucholsky *
Werner Türk
Karel Vanek
Voltaire
Jakob Wassermann (außer: Gänsemännchen, Juden von Zirndorf, Casper Hauser, Fränkische Erzählungen, Deutsche Charaktere und Begebenheiten)
Arnim T. Wegner
Franz Werfel (außer: Tod des Kleinbürers, Barbara, Verdi)
Theodor Wolff *
Arnold Zweig
Stefan Zweig
und weitere
TONDOKUMENT
Mit einem * genannte Autoren wurden in den sogenannten Feuersprüchen genannt, von denen das Deutsche Historische Museum ein Tondokument in MP3-Format anbieten. Das einleitende Zitat stammt aus dieser Reportage.
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