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Katastrophe, nicht mediengerecht

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Was unterscheidet das stärkste Erdbeben Asiens, eine ganze Generation auslöschend, eigentlich von einem starken Seebeben mit anschließender Flutwelle? Eine ganze Menge offenbar, denn waren nach dem Seebeben die Medien monatelang geradezu verstopft, die Betroffenheitsbekundungen und Benefizveranstaltungen zahlreich und der Hang zum Spenden ausgeprägt, findet Berichterstattung über das Kaschmir-Beben, extreme Dimensionen hin oder her, kaum statt.


Liegt es daran, daß die Flutwelle solche Gebiete traf, in die gerne gereist wird, daß eigentlich jeder jemanden kennt der schon mal dort war, daß zum Zeitpunkt des Unglücks medientaugliche B-, C- und D-Klassen-Prominenz vor Ort war, daß hier also sozusagen Gebiete von nationalem Interesse betroffen waren und daß man daher mal endlich auch selbst was vom Spenden hatte, und vor allem daß sie zum idealen Zeitpunkt passierte, um die Jahreswenden-Nachrichtenflaute überbrücken zu können?

Wen juckt da schon Kaschmir. Ist das nicht dort wo diese Hottentotten sich seit Jahrzehnten die Köpfe einschlagen, sich Gruppen bärtiger Terroristen formieren und bin Laden ein Popstar ist? Fliegt wirklich wer nach Pakistan in Urlaub? Leben die da nicht noch in Hütten und Zelten? Man kann sich ja nun auch nicht um alles kümmern.

Mich beschleicht das Gefühl, daß sich Entscheidungen über die Stärke medialer Berichterstattung durchaus an solchen Gedanken orientieren. Und jetzt sage keiner, daß die Blogosphäre es besser mache. Alles vielgepriesene "collaborative filtering" nützt bei Themen, bei denen man auf "die Medien" als Quelle angewiesen ist, nichts, wenn die Maschenweite des Filters konstant ist: schreiben die zwei bis drei großen Nachrichtenseiten, aus denen sich gemeinhin informiert wird, viel über ein Thema, taucht halt auch viel darüber in den Blogs auf und umgekehrt. Spannender finde ich da die Konzepte "attenuation/Abschwächung" und "amplification/Verstärkung", Gewichtung nach eigenem Urteil statt der schon Zeitung, Magazin und Fernsehprogramm gewordene Gewichtungskonsens - also weniger Tsunami, mehr Kaschmir in der Blogosphere.


HILFSORGANISATIONEN
Ärzte ohne Grenzen, DRK, Care, UNICEF

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