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Alea iacta est

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Überall ist man da nur wahrhaft lebendig, wo man Neues schafft.
Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) - preußischer Architekt und Maler

Der Abriss des 1976 eröffneten [Berliner Volks-]Palastes ist nicht zu stoppen. Die Vergabe der Arbeiten an ein Abriss-Konsortium ist erfolgt. [...] In der dritten Kalenderwoche im Januar soll die Baustelle eingerichtet werden, 14 Monate später sollen die Arbeiten abgeschlossen sein – wenn denn alles planmäßig verläuft

berichtet das Handelsblatt. Nicht nur, daß damit ein spannender Raum verloren geht. Der Plan zu noch viel größerem Schwachsinn hält sich hartnäckig:

Nach dem Willen des Bundestags soll dort ein Neubau mit den barocken Fassaden des 1950 gesprengten Berliner Stadtschlosses der Hohenzollern errichtet werden. Allerdings können weder der Bund noch das hoch verschuldete Berlin die geschätzten Kosten von 535 bis 780 Millionen Euro aufbringen.

Zu Stein gewordene Rückwärtsgewandtheit, manifestierte Mutlosigkeit. Zeit für ein ausführliches Zitat aus einem ZEIT-Artikel von Hanno Rauterberg über die Dresdner Frauenkirche:

Die Begeisterung für die Frauenkirche ist zwar beeindruckend, doch richtet sie sich ausschließlich auf das Gewesene. Und verstärkt damit bei allem Positiven doch auch etwas Befremdliches: den Hang vieler Deutscher, sich kulturpessimistisch vom Heute abzuwenden und in der schönen Vergangenheit zu verkriechen. Das allgemeine Verlangen nach Replikaten wie der Frauenkirche wächst; in Berlin, Potsdam, Braunschweig, überall sollen zerstörte Schlösser und Kirchen wieder entstehen. Oft aber geht es dieser Liebe für das Alte nicht um das historische Zeugnis, sondern um den Anmutszauber und den Fluchtraum der Geschichte. Anders ist nicht zu erklären, dass vielerorts vorhandene Bauwerke verfallen, klassizistische Herrenhäuser ebenso wie barocke Dorfkirchen, während gleichzeitig mit viel Geld verschwundene Bauten rekonstruiert werden. Fast meint man, die liebsten Bauwerke der Deutschen seien die untergegangenen.

Eben von dieser Vergangenheitslust, die zugleich Gegenwartsscheu ist, zeugt auch die Frauenkirche. Dabei ließe sich gerade an ihrem Beispiel ein neuer Optimismus lernen. Die Zeit um 1700 war, ähnlich wie heute, eine Zeit radikaler Wandlungen. Nur dass man sich damals zutraute, diesem Wandel auch Gestalt zu geben. Hätte August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, ähnlich zukunftsängstlich geplant wie unsere Gegenwart, keines der erstaunlichen Bauwerke des barocken Dresdens wäre entstanden.

DIE ZEIT: Steine zum Anstoßen →

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