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Neu auf dem Bücherstapel

Industriearchäologie : Technik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte : Strukturwandel : Städtebau :: Category Archives

2008-12-22

Kraftquellen der Wirtschaft im Gau Essen

Klick = groß
Klick = groß

Illustrierte Wirtschaft, Heft Nr. 12: Kraftquellen der Wirtschaft im Gau Essen; Offizielles Organ des Instituts für Deutsche Kultur- und Wirtschaftspropaganda Berlin, Dezember 1939, 6. Jahrgang, 120 Seiten; antiq.

Neben dem Vorwort von Gauleiter Terboven ein weiteres von Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, im Hintergrund Szenen aus Stahlwerken. Damit ist auf der ersten Doppelseite der Rahmen gesetzt für dieses Magazin, in dem die überragende Bedeutung des "wirtschaftlichen Kraftzentrums des Ruhrgebiets" propagandistisch gewürdigt wird; Kruppstahl, Ruhrkohle und die daraus gewonnenen Kraftstoffe, mit denen die deutschen Räder rollten.

Das Spektrum der Artikel reicht von "Stadtplanung im Sinne unserer Arbeiter" über "Die Bedeutung des Ruhrbergbaus im Vierjahresplan" bis zum "Ziel einer neuen sozialen Ordnung"; am Totalitarismus des auf Angriffskrieg gepolten Regimes bleibt kein Zweifel. Die teils ganzseitigen Anzeigen lesen sich wie ein Who-is-Who der Ruhrwirtschaft. Hinten in den "Mitteilungen des Instituts" eine Rückschau auf eine Ausstellung in der Hauptstadt der Bewegung: "Das Buch, ein Kraftquell der Nation". Statt Brecht, Benjamin, Tucholsky und den Manns gab es "die Prachtausgabe des Werkes unseres Führers, [zu] beiden Seiten war sudetendeutsches Schrifttum ausgelegt."

Essens Übergänge von der Waffenschmiede des Reiches zur selbsternannten Einkaufsstadt zur Europäischen Kulturhauptstadt 2010 verliefen weitgehend reibungslos. Zu ihren größeren Hervorbringungen der letzten Zeit zählen das kürzlich eröffnete Einkaufszentrum Limbecker Platz der ECE Projektmanagement und der 2004 eröffnete "reizvolle Alfried Krupp Saal", der große Saal der wiedereröffneten Essener Philharmonie. Alfried Krupp war Wehrwirtschaftsführer, Mitglied des Rüstungsrats, stellvertretender Kuratoriumsvorsitzende der Adolf-Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft, förderndes SS-Mitglied und wegen Sklavenarbeit und Plünderung verurteilter Kriegsverbrecher.

2008-11-19

120 Jahre EBV: Schwarzes Brot

Helmut Alt: Schwarzes Brot - Dem Eschweiler Bergwerks-Verein zu seinem hundertzwanzigsten Geburtstag, Verlag Mensch und Arbeit, München 1958, Hardcover, antiq., Fotos: Alfred Tritschler

56 Blatt DIN A5 im praktischen abwaschbaren Einband und vorne drauf ein Hitlerbärtchenträger - das soll die Jubiläumsschrift eines 25.000-Mann-Unternehmens sein? Schnell entpuppt sie sich als Werbepamphlet für die als paradiesisch geschilderten Arbeits- und Lebensbedingungen im Grünen Revier. Der Autor preist das Bergmann- und Bergmannsfrauen-Dasein an Wurm und Inde ausführlich und schreibt "die", wenn er höhere Chargen meint. Das wirkt in etwa so locker und ungezwungen wie ein Heinz Erhardt-Film.

2008-10-23

Rheinpreussen, Wagner, Koppers, Uhde

Kaum eine Quelle liefert so vielfältige Einsichten in das Selbstverständnis eines Unternehmens und seine Zeit wie Jubiläums- und Festschriften. Vier neue auf dem Bücherstapel:


Volkmar Muthesius: Hundert Jahre Bergbau am linken Niederrhein - Rheinpreussen AG für Bergbau und Chemie Homberg/Niederrhein 1857-1957, Verlag Hoppenstedt Wirtschafts-Archiv GmbH, Darmstadt 1957, antiq.

Mit Ruth Hallensleben schickte Hoppenstedt hier die Fotografin zur Rheinpreussen AG, die im Dritten Reich für den gleichen Verlag das Bildmaterial für die Werkzeitschrift der Vereinigten Stahlwerke lieferte und sich so einen Namen als Industriefotografin machte. Ihre Fotos von über und vor allem unter Tage flossen zusammen mit einigen Kohleskizzen, Diagrammen, technischen Zeichnungen und Goethe- und Schiller-Zitaten in ein Buch, in dem der durch den Dauerbrenner "Du und der Stahl" bekanntgewordene Wirtschaftsjournalist Volkmar Muthesius die Sonderstellung von Rheinpreussen hervorhebt. Die habe erst aus einer Spitzenstellung bei der früh begonnenen Mechanisierung und Rationalisierung des Kohlenabbaus bestanden und dann aus dem verstärkten Setzen auf die Kohlechemie und den Mineralölvertrieb, zu dem in den 50er Jahren auch etwa 800 Tankstellen gehörten.

Rheinpreussen erreichte seine höchste Förderung von 4,7 Millionen Tonnen Steinkohle im Jahr 1966. Das eigenständige Unternehmen hatte zu diesem Zeitpunkt fast 10.000 Beschäftigte. Zwei Jahre später erfolgte die Einbringung in die Ruhrkohle. 1993 wurde die Förderung eingestellt. Die chemischen Werke in Moers werden von Sasol weiterbetrieben.


Paul Hermann Mertes: 75 Jahre Wagner & Co. Werkzeugmaschinenfabrik m.b.H. Dortmund 1865-1940, Dortmund 1940, antiq.

Das Papier ist holzig, die Mitarbeiter heißen Gefolgschaftsmitglieder und ganz hinten sind zwei Gaudiplome abgebildet. Ansonsten deutet bei dieser faktenreichen und sachlich geschriebenen, reich bebilderten und mit einem zusätzlichen aufwendigen Bildteil versehenen Festschrift fast nichts darauf hin, daß sie mitten im Krieg herausgegeben wurde. Ohne Pathos wird hier die Entwicklung der ersten reinen Maschinenfabrik Dortmunds geschildert, die auf die Harkort- und Kampschen Aktivitäten in Wetter zurückging und im vormals durch und durch schwerindustriell genutzten Dortmunderfeld zuletzt unter Thyssen bis fast in die Gegenwart überdauerte. Heute werden die Gebäude von der Firma Miebach genutzt, die dort Schweißmaschinen herstellt und elektrische Aggregate wartet.


Koppers - Ein halbes Jahrhundert im Dienste der Kohleveredelung 1901-1951, Heinrichs Koppers GmbH, Essen 1951, antiq.

Der Leineneinband schlicht-schwarz mit Prägedruck auf der Front und einem Streifen Blattgold auf dem unbeschriftetem Rücken - ist jemand gestorben? Ja, der Firmengründer Heinrich Koppers, dem hier geradezu kultische Verehrung zuteil wird. Über die von seiner Firma entwickelten Verfahren und gelieferten Anlagen erfährt man in den Lücken zwischen den Ergebenheitsbekundungen für den lieben Führer. In zeitlosem Schriftsatz, mit amtlichen Fotografien, auf festem Papier und "nach den Weisungen des Vorsitzenden Geschäftsführers".


Ingenieure planen die Zukunft - UHDE, Econ-Verlag, Düsseldorf 1970, ISBN 3-430-14950-9, antiq.

Hier sieht man Ingenieure am Zeichenbrett, beim Spielen mit Anlagenmodellen und in Messwarten bei der Inbetriebnahme neuer Werke. Keiner ragt heraus, keiner wird - mit Ausnahme des Gründers Friedrich Uhde - namentlich genannt, auch nicht der Autor, nichtmals der Anlass der Veröffentlichung - wohl das 50-jährige Bestehen dieser Dortmunder Firma - wird erwähnt. Alles ist auf das Schaffen des Ingenieurs konzentriert, dessen Ergebnis, großtechnische chemische Anlagen, in einer großen Farbbildstrecke präsentiert werden.

Wie eigentlich immer an der Ruhr hatten auch hier alle mit allen zu tun: Koppers, zwischenzeitlich an Krupp gefallen und 1937 auf Rheinpreussen Erbauer der ersten Anlage zur Erzeugung von Synthesegas aus Steinkohle, gehört seit 1996 zu Uhde. Später kamen über Thyssen EnCoke mit Still, Otto und Didier die drei anderen großen deutschen Kokereianlagenbauer hinzu. Uhde gilt als einer der weltweit führenden Anlagenbauer. Erst im vorherigen Jahr konnte das Unternehmen seinen bisher größten Auftrag einfahren.

2008-10-22

Thyssen gegen Wallraff

Frank Berger: Thyssen gegen Wallraff - Chronik einer politischen Affäre , 1. Auflage, Steidl Verlag, Göttingen 1988, ISBN 3-88243-077-X, Taschenbuch, antiq.

Als Günter Wallraff am 22. Oktober 1985 sein Buch "Ganz unten" vorstellte, in dem er beschrieb, wie er als Türke Ali für illegale Leiharbeitsfirmen tätig war und so bis dato unbekannte gesellschaftliche Mißstände aufdeckte, gingen erhebliche Schockwellen durch die Republik. Als eine der betroffenen Firmen versuchte die Thyssen Stahl AG daraufhin, Wallraff mit allen Mitteln in Mißkredit zu bringen und sein Buch zu stoppen - erfolglos: die Klage am Düsseldorfer Landgericht wurde in fast allen Punkten abgewiesen. In diesem kleinen Taschenbuch zeichnet Frank Berger, der an den Vorbereitungen zu "Ganz unten" direkt beteiligt war, ebenfalls verdeckt bei Thyssen arbeitete und darüber auch vor Gericht aussagte, die Geschehnisse nach.

Das Nachwort stammt ausgerechnet von Hans-Ulrich Jörges. Der kämpfte als Stern-Kolumnist gegen die rot-grüne Bundesregierung und machte Stimmung gegen Hartz IV-Empfänger. Hier schreibt er von "einer in dieser Breite überraschenden und ermutigenden Bereitschaft zur Solidarität, zum Mitleiden mit den nicht selten geschmähten, verachteten und ausgebeuteten" Mitgliedern der Gesellschaft.

Neu auf dem Bücherstapel...

...läuft jetzt als eigene Kategorie. Vorteil: ohne daß es gleich zu unübersichtlich wird, können einzelne Bücher eigene Einträge bekommen und einzeln kommentiert werden.

2008-08-01

Neu auf dem Bücherstapel (IV)

BILDBÄNDE

Zeng Li: A China Chronicle Bekommt einen eigenen Eintrag. Passt auch gar nicht auf den Stapel.


BÜCHER

Stadtarchiv Dortmund (Hg.): Geschichte der Stadt Dortmund (antiq.) Frühgeschichte bis 1939 436 Seiten, 1939 bis 1945 7 Seiten, 1946 bis 1993 47 Seiten und auch ansonsten eher ärgerlich. Harenberg Verlag, Dortmund 1994.

Will Rinne: Eisenkraftfeld Ruhr (antiq.) "Werden und Wandlungen der eisenschaffenden Industrie an Ruhr und Rhein" von Anbeginn bis zur Entflechtung und Demontage in einer außergewöhnlich präzisen, detaillierten und vielschichtigen Beschreibung auf 334 dicht bedruckten Seiten. Mit 64 zünftig reproduzierten Abbildungen, diversen Zeichnungen und 6 lose beigelegten Zahlentafeln. Leider ohne Stichwortverzeichnis oder Namensregister. Verlag Butzon & Becker, Kevelaer 1947.


BROSCHÜREN UND FIRMENSCHRIFTEN

DEMAG AG: Der Hochofen (antiq.) Aufwendige kleine Firmenschrift aus den 1930er Jahren.

Herstellungsprogramm VEB Maxhütte Unterwellenborn im VEB Qualitäts- und Edelstahl-Kombinat (antiq.) Ausgabe 1985.

Führer durch das Haus "Ruhrkohle" auf der Großen Ausstellung Düsseldorf GESOLEI 1926 (antiq.) Dem Anlass angemessen wurde ein Fördergerüst über und ein komplettes Schaubergwerk unter dem Gebäude errichtet.


AUSSERDEM GELESEN

Ludwig Achepohl: Das Niederrheinisch-Westfälische Bergwerks-Industrie-Gebiet "Eine Beschreibung aller Bergwerke [...] und Bohrgesellschaften, sowie der bedeutenderen Eisen- und Stahl-Werke" des Reviers "in geologischer, technischer und finanzieller Beziehung", 2. Auflage, Berlin 1894. Gleich im Vorwort die treffsichere Warnung, die 70 Jahre später keiner hören wollte: "Die Annahmen auf Jahrhunderte reichenden [Kohlen-]Vorraths sind unzutreffend."

Jürgen Mittag (Hg.): Die Idee der Kulturhauptstadt Europas Alle reden von Ruhr 2010 - aber was hat es mit der Kulturhauptstadt-Idee eigentlich auf sich? Ein Blick auf "Anfänge, Ausgestaltung und Auswirkungen europäischer Kulturpolitik". Klartext Verlag, Essen 2008.

Manfred Fischer, Christian Kleinschmidt (Hg.): Stahlbau in Dortmund Gerne wird der "Dortmunder Dreiklang" aus Stahl, Kohle und Bier zitiert und so die vierte ehemals große Branche der Stadt unterschlagen. Da passt ins Bild, daß die Rollen von Jucho, Klönne, Union und Co. bisher erst in einem Buch, und zwar diesem, beleuchtet wurden. Dortmunds zeitweise mehrere Zehntausend Mitarbeiter starke Stahlbaubranche lieferte Brücken, Hochhäuser, Hallen, Fördergerüste und Hochöfen in alle Welt. Die neue Schnettkerbrücke im Westen der Stadt kommt trotzdem aus Sibirien. Klartext-Verlag, Essen 2001.


IM ARCHIV
2008-05-14 Neu auf dem Bücherstapel (III)
2008-02-02 Neu auf dem Bücherstapel (II)
2008-01-31 Neu auf dem Bücherstapel

2008-05-14

Neu auf dem Bücherstapel (III)

Großer Stapel, langer Eintrag.


FIRMENSCHRIFTEN

Zehn Jahrzehnte Kraftwerk Dortmund 1897 - 1997 (antiq.) Eine Geschichte in Fotodokumenten von Theo Horstmann und Peter Döring, herausgegeben im Auftrag der VEW Energie AG, Dortmund 1997. Ein schöner kleiner gut produzierter Bildband mit runder Bildauswahl und kurzen, präzisen Begleittexten. Gibt es in dieser Qualität nicht für viele Werke. Es wurden 800 Exemplare gedruckt.

Kraftstoff aus deutscher Kohle (antiq.) "Das Benzolgemisch des Deutschen Bergbaues ist B.V.-Aral", und wie es hergestellt wurde, wird in dieser farbig illustrierten Broschüre des Bochumer Benzol-Verbands von 1936 gezeigt. (In der unten erwähnten Merian-Ausgabe werben übrigens Ölmultis mit ihren Kohle-zu-Benzin-Versuchsanlagen von 1980 - in der Fachzeitschrift Stahl und Eisen kann man ihre Wirkungsweise nachlesen, und daß das zwar alles wunderschön funktioniere, sich aber einfach nicht rechne, solange das Barrel Rohöl so weit von der 25-Dollar-Marke entfernt sei. Von unten, versteht sich.)

100 Jahre Niederrheinische Hütte AG (antiq.) 1951 vom Unternehmen herausgegebene Festschrift. In einem älteren Schimanksi-Tatort tauchen die Hochöfen dieser Duisburger Hütte, längst stillgelegt, für einen kurzen Moment im Hintergrund auf, viele Jahre nach den Dreharbeiten dürften sie nicht mehr gestanden haben. Die zugehörigen Möllerbunker wurden erst im letzten Jahr abgerissen, das Drahtwalzwerk wurde von Thyssen und wird jetzt von Mittal weiterbetrieben, aber die Stadt Duisburg wäre die Bude lieber heute als morgen los und pflanzt derzeit auf jeden nicht mehr benötigten Quadratmeter schon mal einen Grüngürtel. Vielleicht wird der Wasserturm erhalten werden, ansonsten werden nur Archivbestände bleiben und Bücher wie dieses.

Im Reiche der Chemie - 100 Jahre BASF (antiq.) "Bilder aus Vergangenheit und Gegenwart" der Badischen Anilin- & Soda-Fabrik AG in Ludwigshafen sind in diesem großformatigen Schwarzweissband zu sehen, der von niemand Geringerem als Otto Steinert gestaltet wurde. Durchaus sehenswert. (Wer sich für die Geschichte der deutschen Chemieindustrie interessiert, liegt mit dem Hundertjahrpendant der Farbwerke Hoechst AG, Ernst Bäumlers Ein Jahrhundert Chemie, nicht verkehrt.)

Dortmund-Hörder Hüttenunion AG (antiq.) Zwanzigseitige Werbeschrift DIN A4 mit Umschlag im Prägedruck und Übersicht über die Produktionsanlagen und das Fertigungsprogramm, etwa 1955. Mit 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr Rohstahlkapazität und 20.000 Mitarbeitern war der Verbund des Hörder Bergwerks- und Hütten-Vereins in Dortmund-Hörde und der Union AG in Dortmund-Mitte nach dem Krieg Deutschlands größter Stahlproduzent. Da man etwa 10 Jahre später mit Hoesch, dem Stahlriesen in Dortmunds Norden, fusionierte, sind Drucksachen dieses Unternehmens vergleichsweise rar.

Deilmann-Haniel: Anschlussbergwerk Haltern 1/2 (antiq.) Mit dieser Sonderausgabe der Deilmann-Haniel-Zeitschrift "Unser Betrieb" vom September 1985 ist, aus heutiger Sicht, das Thema Nordwanderung und Ende des Ruhrbergbaus umfassend erschlagen. Die Schächte, die vor nur 20 Jahren die große Hoffnung waren, wurden vor einigen Monaten verfüllt, die Tagesanlagen abgerissen.


BILDBÄNDE

Hans-Christian Schink: Verkehrsprojekte Klasse. In gewohnter Hatje Cantz-Qualität.


RUHRGEBIET

Merian August 1980: Ruhrgebiet (antiq.) Den Geist des Reviers, bevor es aufhörte, Revier zu sein, hier kann man ihn spüren. Bevorzugt man kleine Bücherregale, dieses Heft und Roland Günters Im Tal der Könige kaufen. Ggf. mit der aktuellen Ausgabe des Ruhr-Merians vergleichen.

Thomas Parent: DuMont Kunst-Reiseführer Das Ruhrgebiet (antiq.) Die "Kultur und Geschichte im 'Revier' zwischen Ruhr und Lippe" wird DuMont-typisch aus der Warte von 1984 und damit vor Aufkommen der "Industriekultur"-Welle beschrieben.

Kleine Geschichte der Stadt Duisburg (antiq.) "Von den Anfängen bis zu den 80iger Jahren" reicht dieser Rundumschlag aus dem Verlag Walter, dem in der vorliegenden vierten Auflage ein ziemlich nichtssagender Bildteil vorangestellt wurde. Von der Urzeit bis 1945 nimmt die ersten 350 Seiten Text ein, die Nachkriegszeit mit Städtebau, Kultur, Wirtschaft und Industrie die restlichen 60. Muss man als industriegeschichtliche Quelle nicht unbedingt haben.


MANSFELDER LAND

Die Kupferschieferlagerstätte in der Sangerhauser Mulde (antiq.) ist ein Heftchen der Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlichter Kenntnisse, 1963 erschienen und DDR-Sachschrift-typisch grundsolide. Beschrieben werden die Vorkommen und die zugehörigen Aufschluss- und Abbaumethoden.

Wie das Geförderte verhüttet wurde, ist dem ebenso soliden Werk Technologie der metallurgischen Industrie (antiq.) von Damerow und Leudert aus dem VEB Verlag Technik Berlin, 1969 in der dritten Auflage erschienen, zu entnehmen. Neben der Kupfer-, Zink- und Bleigewinnung nehmen Eisen und Stahl den Hauptteil dieses Buches ein, in dem nicht nur die Technologien beschrieben, sondern auch die zugehörigen in der DDR vorhandenen Anlagen genannt werden.

800 Jahre Mansfelder Kupferschiefer - Bergbau und Hüttenwesen (antiq.) ist "eine Schrift zum Fest", aber kein Paradebeispiel einer Festschrift: gestalterisch ein einziges Ärgernis, inhaltlich brauchbar; im Bildteil kommen die metallurgischen Anlagen der DDR erwartungsgemäß (zu) kurz. Herausgegeben vom Landkreis Mansfelder Land, Eisleben 1999, 120 Seiten DIN A4.

(Vor einer Fahrt in dieses Revier lohnt ein Blick in den Band 38 der Reihe Werte unter Heimat - Heimatkundliche Bestandaufnahme in der DDR: Mansfelder Land (antiq.) , Akademie-Verlag, Berlin 1982. Liest sich so trocken wie es klingt, dürfte in seiner Fundiertheit aber auch heute der Titel der Wahl sein.)


EISENHÜTTENSTADT

Hans Marchwitza: Roheisen (antiq.) Der Schinken, mit dem der 1890 in Beuthen geborene Arbeiterdichter die Gattung der Aufbauliteratur in der DDR begründete. Inhalt: der Gründungsmythos von Stalinstadt, also Eisenhüttenstadt. Verlag Tribüne, Berlin 1955. (Zum gleichen Thema gibt es beim Aufbau Taschenbuch Verlag von Tilo Köhler den Dreierpack Die Stalinstadt/Die Stalinallee/Die Stalinwerke. Keine Weltliteratur, aber mit einer recht interessanten Auswahl ADN-Fotos. Bei den Sachbüchern sticht das 2000 von der EKO Stahl GmbH herausgegebene Buch Einblicke - 50 Jahre EKO Stahl einsam heraus; die geradezu besessen detailliert recherchierte Schwarte aus 400 Seiten größer DIN A4 ist jeden Cent Wert, 10.000 Exemplare wurden gedruckt.)


JAHRBÜCHER

Handbuch der Europäischen Eisen- und Stahlwerke 1960/1961 (antiq.)

Handbuch der Europäischen Eisen- und Stahlwerke 1993 (9. Auflage) (antiq.) Erste Ausgabe mit Informationen zu den Werken Osteuropas.

Statistisches Jahrbuch für die Eisen- und Stahlindustrie 1935 (antiq.) Lauter Zahlen.


IM ARCHIV
2008-02-02 Neu auf dem Bücherstapel (II)
2008-01-31 Neu auf dem Bücherstapel

2008-02-02

Neu auf dem Bücherstapel (II)

Historie und Hässlichkeit - Betrachtungen zur Ästhetik des Ruhrgebiets von Yvonne Rieker und Michael Zimmermann mit Fotos von Joachim Schumacher. Die wohl wichtigste Neuerscheinung zum Thema Ruhrgebiet seit "Im Tal der Könige" und das erste mir bekannte Werk, das direkt das Thema anspricht, das jedem Beobachter der Kulturhauptstadt-Vorbereitungen (und jedem Betrachter der sich in den Buchhandlungen der Region türmenden Ruhr-Bildbändchen und -bänden) geradezu ins Auge springen müsste: die Leugnung der Hässlichkeit. Aus der Beschreibung des Verlags:

Yvonne Rieker und Michael Zimmermann plädieren für mehr Selbstbewusstsein des Ruhrgebiets, sich souverän mit seinen hässlichen Seiten - oder zugespitzt: mit seiner Hässlichkeit - auseinander zu setzen. Diese Konfrontation wird nötig sein, denn in Erwartung der Kulturhauptstadt 2010 liegt die Vermutung nahe, dass sich das Ruhrgebiet in Bild und Text auf das Höchste preisen wird. Es wird sich aus geschickt gewählten Perspektiven und unter Aufbietung aller medialen Präsentationsformen als in jeder Hinsicht attraktive, vielleicht gar als schöne Region darstellen.

Das Fazit des Buches ist, die Hässlichkeit beim Namen zu nennen und zugleich ihre historischen Hintergründe darzulegen. So könnte am Ende ein entspannt selbstbewusster, gleichermaßen reflexiver, selbstironischer und spielerischer Umgang mit der Ästhetik dieser Region entstehen.

Das Buch, an dem ich nach Gerüchten auf Twitter angeblich werke, schlägt übrigens in die gleiche Kerbe.

Sowie:

Die Zeche Adolf von Hansemann von Tilo Cramm und Thomas Mertens, Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Schriften Band 15, Klartext-Verlag 1995. Solide, faktenreich, dicht, ordentlich bebildert, gut lesbar und empfehlenswert wie eigentlich jeder Band der Crammschen Zechenreihe.

Walzstahl - Erzeugungsprogramm der Mitgliedswerke der Walzstahl-Vereinigung (antiq.), Ausgabe 1954, deutsch/französisch, antiquarisch. Beschreibung der Walzprogramme und teilweise der Produktionsanlagen der Mitgliedswerke. Vorgeschaltete Anlagen (Stahlerzeugung) werden meist nicht erwähnt. Zu allen Firmen Abbildung des Logos oder Briefkopfs, zu den meisten außerdem Werksfotos oder grafische Darstellungen. Geeignet als Ergänzung zu "Die Eisen- und Stahlwerke der Montan-Union" und ähnlichen Gesamtverzeichnissen.

2008-01-31

Neu auf dem Bücherstapel

In der alteingesessenen ortsansässigen Buchhandlung auf dem Abverkaufstisch zwei Bücher erstanden. Schon klar, warum sie verscherbelt werden.

Dortmund - Bombenkrieg und Nachkriegsalltag 1939-1948 von Gerhard E. Sollbach (Hg.), Verlag Lesezeichen 1996. Gekauft wegen der schwer begreiflichen Fotos komplett zerbombter Viertel, neben denen die Hochöfen und Kokereien bollern und die Schlote qualmen, als sei nichts gewesen. Für ärgerlich befunden wegen der geschmäcklehaltigen Bildunterschriften von den "ehrlichen und grundanständigen Dortmunder Bürgern" und den "plündernden ehemaligen Fremd- und Zwangsarbeitern".

Die Thyssens - Tragödie der Stahlbarone von Thomas Rother, Campus Verlag 2003. Gekauft um zu schauen, ob der erste Eindruck stimmt, also ob es wirklich pathosbeladener Schund ist, dem man aber querlesend zumindest einige Fakten entnehmen könnte. und weggeschmissen, da wirklich unsäglicher Mist.

Und dann ist da noch das Galore-Sonderheft Dortmund. Untertitel: Geschichten über Dortmund und die Menschen dieser Stadt; Inhalt: Interviews plus redaktionelle Beiträge. Bei der Redaktion muss der Eindruck vorherrschen, Deutschland denke, daß das Ruhrgebiet noch so aussieht, als käme der Strukturwandel erst noch. Ansonsten saubere Werbetexte für den von der Lokalpolitik propagierten "neuen Dreiklang IT + Mikrotechnik + Logistik".